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Selbst ist der Schöninger

Veröffentlicht am Mittwoch, 22. August 2012
Verfasst von Markus Haage 


Mein-Schoeningen.de versteht sich nicht als Nachrichten-Portal. Zwar berichten wir auch von aktuellen Geschehenissen, aber dient dieses in allererster Linie dokumentarischen Zwecken, um den sogenannten Ist-Zustand festzuhalten. Für tägliche News ist unsere Region glücklicherweise von einer bunten Medienlandschaft geprägt – ob Helmstedter Blitz, Braunschweiger Zeitung, Helmstedter Sonntag oder Helmstedter Tageblog. Dennoch, ab und an blitzt die ein oder andere aktuelle Alltagsgeschichte hervor, die weitaus größere Beachtung verdient hat und auch für kommende Generationen festgehalten werden sollte. Dieses hier ist so eine Geschichte…

Zugewuchert und verdreckt – dies sind wohl leider die beiden Adjektive, die den meisten Schöningern in den Sinn kommen, wenn sie an den Wallgarten denken. Allerdings war dies nicht immer so. Der Wallgarten diente über Jahrzehnte den Alten zur Erholung und Entspannung und den Jungen, vorallem den Kindern, für Spiel und Spaß. Es war ein Ruheort und Abenteuerspielplatz zugleich. Ein grüner Hort und Rückzugsplatz in der Mitte der belebten Stadt. Doch schon seit Jahren scheint sich niemand für den Wallgarten mehr verantwortlich zu fühlen. Oder gar zu interessieren. Erst 2008 wurde eine Patenschaft mit einer hiesigen Schule vereinbart, um den Wallgarten wenigstens sauber zu halten. Die Realität zeigte leider, dass diese Patenschaft nicht von langer Dauer gewesen sein kann.

Dort wo einst zahlreiche Generationen an Schöninger Kindern die Wälle auf- und abliefen, sich versteckten und spielten, liegen nun Berge von Unrat. Glasscherben, Hundekot, Zeitungen, scharfkantiger Plastikkmüll, Bierkronen, Zigarettenkippen – sogar Tannenbäume und Einwegspritzen werden dort entsorgt. Der Teich ist nur noch als Kloake zu bezeichnen. Die einzig erhaltenen Reste der einst so mächtigen Stadtmauer, die aus bauhistorischer Sicht von enormer Bedeutung für die Stadt Schöningen ist, sind mit Grafitti beschmiert. Die mit Steinpflastern angelegten Gehwege von Unkraut überwuchert und teils nicht mehr zu erkennen. Kein verantwortlicher Elternteil würde jemals seine Kinder in den heutigen Wallgarten schicken. Ganz im Gegenteil: verantwortliche Eltern würden ihren Kindern dieses ausdrücklich verbieten. Zu groß ist die Gefahr, dass diese sich hier nun verletzen. Und das ist leider nicht erst seit gestern so. Bereits seit Jahren verkommt der Wallgarten. Man möchte fast schon denken, dass dies der Aggregatzustand des Wallgartens wäre…

Aber wie jeder Chemiker weiß: Aggregatzustände lassen sich ändern. Bei 0 °C gefriert Wasser, bei 150 °C wird Caesium flüssig – und der Wallgarten? Bei genug Eigenintiative wieder sauber. Frei nach dem Motto: “Alle haben gesagt, das geht nicht! Dann kam einer, der wußte das nicht und hat es einfach gemacht!”, spuckte Andreas Schultz in die Hände, ergriff die Initiative und begann im Alleingang den Wallgarten wieder herzurichten. Lange musste er aber nicht alleine verweilen. Dank moderner Kommunikationsmittel sprach sich sein Vorhaben, den Wallgarten wieder herzurichten, über die sozialen Netzwerke schnell herum und viele weitere tatkräfitge Schöninger schlossen sich ihm an.

Alsbald folgte Familie Birkholz, die nach ihrer Arbeit abends im Wallgarten die Gehwege und Bänke wieder herichtete. Unterstützt wurden sie von ihren beiden aufgeweckten Kindern. Während Ex-Ratsherr und -Konrektor Harry Howorka und Markus Haage die Wälle abging und den Müll einsammelte, hat Sabine Seeliger die Gehwege rund um die Sonnenuhr vom Unkraut befreit. Man glaubt es kaum, aber um die Sonnenuhr war einmal ein kreisförmiger Weg angeordnet, der nun Stück für Stück wieder in Erscheinung tritt. Oliver Grünfeld nahm sich indes die Treppe zum Haupteingang vor. Armin Sarnes entsorgte den Müll aus dem Gartenteich.

Doch dies war erst der Anfang. Immer mehr Schöninger kamen spontan vorbei und beteiligten sich an der Aktion. Der gerade einmal 10-jährige Leon Mattner, der durch Zufall durch den Wallgarten ging und die Aktion sah, beteiligt sich seitdem fast täglich daran und hilft an jeder Stelle aus. Oliver Giersig, der die Woche über auf Montage ist, kam spontan vorbei und befreite mit seinem Sohn einen der vollkommen zugewachsenen Gehwege vom Unkraut.

Ob jung oder alt – alle packen mit an. Und jeder tut soviel, wie er kann. Das Besondere: die Aktion reißt nicht ab, sondern zieht erfreulicherweise immer größere Kreise. Zwischenzeitlich entschied man sich, aus der lockeren Gruppe von Schöningern, von denen sich viele vorher nicht einmal kannten, eine Initiative zu machen. Dies geschah um den gesamten Vorhaben ein Gesicht zu geben, damit es besonders für Außenstehende transparenter und greifbarer wird. Denn: jeder kann und soll sich gerne auch weiterhin an der Aktion beteiligen.

Auch die Stadt Schöningen unterstützt diese. Am 29.08.2012 besuchte Schöningens Bürgermeister Henry Bäsecke die Wallgärtner bei der Arbeit und richtete die Grüße und den Dank der Stadt aus. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Bürgernmeister auch eine Patenschaftsurkunde, unterzeichnet von allen anwesenden Wallgärtnern, überreicht. Diese Urkunde hatte zuerst keinerlei rechtlichen, sondern eher einen symbolischen Charakter. Der Bürgermeister änderte dieses allerdings spontan und machte es mit seiner Unterschrift zu einer offiziellen Urkunde. Somit haben die Wallgärtner nun offiziell die Patenschaft für den Wallgarten übernommen. Diese soll dazu beitragen, den Schöninger Wallgarten in Zusammenarbeit mit der Stadt Schöningen weiterhin in seiner ursprünglichen Form zu erhalten und zu pflegen und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt zu motivieren, sich aktiv an der Gestaltung der Stadt und des Stadtlebens zu beteiligen.

Herr Bäsecke nahm sich daraufhin für das Anliegen der Wallgärtner viel Zeit und versprach die volle Unterstützung der Stadt Schöningen. Und was soll man sagen? Ein Mann, ein Wort. Nicht einmal 24 Stunden später haben die Jungs vom Schöninger Bauhof den Boden des Haupteingangs zum Wallgarten, der vorher eine böse Stolperfalle gewesen ist, ausgebessert. Aber nicht nur das. Da im gesamten Wallgarten an mehreren Stellen mittlerweile leider die Bodensteine für die Wege fehlen, hat her Bäsecke das Baumaterial, eben die Steine für den Fußweg, persönlich aus dem eigenen Familienkreis organisiert und zum Wallgarten gebracht.

Auch Schöninger Betriebe beteiligen sich. So stellt Scholz Bodenbeläge OHG die Arbeitsmaterialen für die Renovierung der Parkbänke. Das Restaurant Kurhaus Schöningen verpflegt die Wallgärtner mit Speis und Trank.

Der Wallgarten beginnt nun wieder zu erstrahlen. Zwar (noch) nicht im alten Glanz, aber der Anfang wurde zweifelsohne gemacht. Von Schöningern, die neben ihrer Arbeit in ihrer Freizeit in die Hände spuckten und unentgeltlich – aber teils auch auf eigene Kosten! – Taten anstatt Worte sprechen ließen. Das bisher Erreichte, läßt sich zweifelsohne sehen.

Die Wallmüllhalde wird wieder zu einem Garten, in diesem sich auch Kinder endlich wieder wohl fühlen dürfen…

Die Arbeit ist aber noch lange nicht beendet. Es gibt noch viel zu tun.

Auch wenn der Zustand des Wallgartens zweifelsohne als trauig zu bezeichnen ist, ist es dennoch umso erfreudiger, das Engagement der Schöninger Bürgerinnen und Bürger zu sehen, die ohne in Erwartung irgendeines Lobes oder Anerkennung uneigennützig etwas für ihre Stadt tun. Dies alleine macht schon jeden negativen Eindruck des Wallagrtens wett. In Schöningen lässt sich viel bewegen, wenn man bereit ist, in Bewegung zu geraten.



Markus Haage
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2011 gründete ich diese Seite, um nicht nur Schöningern eine Plattform zu geben, ihre Geschichten aus unserer Stadt zu erzählen, sondern auch um Außenstehende auf die Stadt der Speere aufmerksam zu machen. Wenn ich nicht gerade an Mein-Schoeningen.de werke, arbeite ich theoretisch als auch praktisch im Filmbereich. Der professionelle Bierausschank liegt mir übrigens auch sehr gut - was allerdings fast schon familiär bedingt ist. Komme ich doch aus einer (sehr) alten Gastwirtsfamilie, deren Wurzeln bis weit in das 18.Jahrhundert zurückgehen...
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  • Sabine Hahner

    Wunderbare Idee….. durch ein bekanntes Soziales Netzwerk geboren und kurzerhand in die Tat umgesezt! Davon wünsche ich mir mehr! Auch, das jene Menschen es würdigen, die dort tagtäglich ihren Müll achtlos entsorgen und nun die dafür aufgestellten Papierkörbe verwenden.
    Das macht Lust auf MEHR! Die Idee ist ansteckend…. also liebe Schöninger…. teilt diesen Beitrag in euren Netzwerken und dann gemeinsma in die Hände gespuckt! :-)

    • Markus

      Kann mich diesem nur anschließen. :)

  • http://www.facebook.com/marschalleck Lars Marschalleck

    Danke an alle beteiligten Personen!

  • Harry Howorka

    Harry Howorka
    Deine Berichterstattung ist ebenso gut und wichtig wie die bereits geleistete Arbeit.
    In diesem doppelten Sinn:Weiter so!
    Es gibt noch einiges zu tun und wir packen es einfach an.
    Glück auf !

    • Markus

      Danke schön!