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Die Elmsburg

Veröffentlicht am Mittwoch, 10. April 2013
Verfasst von Markus Haage 


Jeder Schöninger hat schon einmal von ihr gehört: die Elmsburg. Ein fast schon mystischer Ort, um den sich zahlreiche Sagen und Legenden ränken, und das, obwohl er eigentlich gar nicht mehr existiert. Alles was von der Elmsburg übrig geblieben ist, sind Fundamentreste im Boden. Aber allein die Vorstellung, dass tief im Elm mal eine prächtige Festung stand, beflügelt die Schöninger noch heute, und lädt zu allerlei Fantastereien und Vorstellungen ein…

Standorte mittelalterlicher Burgen kann man an verhältnismäßig vielen Stellen im Elm nachweisen. So befand sich am Osthang des Elms die Burg Warburg (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Warberg), eine Turmhügelburg des Adelsgeschlechts von Hagen. Diese wurde laut Überlieferung bereits im 12.Jahrhundert gewaltsam erobert und zerstört. Archäologische Untersuchungen in den 1960er Jahren bestätigten dies. Grund hierfür soll ein Thronstreit zwischen den Welfen und Staufern gewesen sein. Eine weitere Burg befand sich im Reitlingstal, genaugenommen eine Wasserburg des Deutschritterordens. Auch sie wurde zerstört. Bei der ehemaligen Siedlung Langeleben nahe der Stadt Königslutter befand sich ebenfalls eine Burg, die allerdings unbekannten Ursprungs ist. Von ihr sind nur noch die Reste einer einzigen Giebelmauer erhalten geblieben. Es scheint das Schicksal aller Elmsburgen zu sein, in ihrer Geschichte der vollkommenen Zerstörung ausgesetzt gewesen zu sein. Und auch wenn es einige Burgen im Elm, somit Elmsburgen, gegeben hat, so wird heute nur noch eine von ihnen so namentlich bezeichnet. Vielleicht auch, weil nur von ihr nennenswerte Reste die Jahrhunderte überlebten.

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Die freigelegten Fundamentreste der Elmsburg anno 2007

Die Elmsburg wurde erstmalig von einem Förster um 1840 vermessen. Die genauen Maße konnte er damals noch nicht erfassen. Dies geschah erst mehr als ein Jahrhundert später. Zwischen 1959 und 1962 und im Jahre 1974 legte man die Fundamente der Elmsburg unter der Leitung des Archäologen H. A. Schultz frei und konnte sie so erstmalig in vollem Ausmaße vermessen. Die Elmsburg wurde von einem Erdwall umgeben, der untypischerweise keinen festen Steinkern beinhaltete. Der Wall hatte eine Höhe von rund 2 und einen Durchmesser von bis zu 137 Metern. Es wird vermutet, dass im Wall auf seiner Höhe an beiden Enden angespitzte Holzpfähle hereingerammt wurden, die somit nebeneinander zum zusätzlichen Schutz eine Holzmauer bildeten. Des Weiteren vermutete man lange, dass einer der äußeren Wälle bereits aus vorchristlicher Zeit errichtet wurde. Als Beleg wurde der (nicht eindeutig nachgewiesene) Fund von Keramikstücken angegeben, der auf die Eisenzeit (1200 bis 450 v.Chr.) datiert werden soll. Hierfür gibt es allerdings bis heute keine klaren Beweise. Weitere Keramikstücke, die eindeutig dem Fundort Elmsburg zugewiesen werden könnten, fand man bis heute nicht.

schoeningen_elmsburgInnerhalb des Walls befand sich auf einer weiteren Anhöhe die eigentliche Elmsburg. Details zu ihren vollen Ausmaße, oder ihres Aussehens, lassen sich nur noch vermuten. Der Burgenforscher Wolfgang Braun versuchte eine Rekonstruktion (rechte Zeichnung) auf Basis der vorhandenen Daten und der zur Zeit des Mittelalters typischen Bauweise. Genauere Angaben kann man aber nur über die Burgkapelle, die Kirche der Elmsburg, machen. Sie umfasste etwa 16 x 8 m und wurde zweimal errichtet. Die erste Kapelle bestand aus rotem Keupersandstein und wurde bereits im 11.Jahrhundert errichtet. Gerade einmal zwei Jahrhunderte nach der Christianisierung der Elm-Region. Der Grund für ihren Abriss ist unbekannt. Es wird vermutet, dass der Deutschritterorden im Zusammenhang mit dem Neubau stand. An ihrer Stelle entstand im 13.Jahrhundert eine neue Kirche aus Elmkalkstein. Die Kirche diente auch als Beerdigungsstätte. In ihrer Ruinen fand man acht Gräber mit menschlichen Skeletten. Weitere Gebäude innerhalb der Elmsburg sind bestätigt. Ihre Kellerreste konnten freigelegt werden, allerdings konnte nicht mehr zweifelsfrei rekonstruiert werden, zu welchen Zweck diese Gebäude genau verwendet wurden.

Von der Elmsburg führten auch mehrere geheime Tunnel zu anderen Orten. Bis in die 1950er waren einige von diesen Tunnel begehbar. So berichten Zeitzeugen, wie sie sich als Kinder in diese wagten, die wohlgemerkt mehr als 700 Jahre alt sein mussten. Um diese Tunnel ranken sich ebenfalls unzählige Sagen. So hielt der Königslutteraner Lokalhistoriker Heinz-Bruno Krieger in seinem Buch „Elmsagen“ diese mündliche Überlieferung fest…

„Auf der Elmsburg, oberhalb Twieflingens im Elm, saßen früher Raubritter. Ihre Gräber liegen abseits im Elm, ehe man zur Burg kommt, rechter Hand. Von der Elmsburg gingen unterirdische Gänge in Richtung Twieflingen, Schöningen und Esbeck. Um 1900 konnte man in diese Gänge noch hinein gehen.

Die von der Elmsburg, oberhalb Twieflingens, haben früher immer die Straßenzüge vor dem Elm belagert und den Kaufleuten, die von Leipzig nach Hamburg fuhren, die Wagen geplündert. Vom Kloster St. Lorenz vor Schöningen aus ging ein unterirdischer Gang nach der Elmsburg. Durch diesen Gang haben sich dann in Not und Gefahr die Ritter aus der Elmsburg in das Kloster zu den frommen Mönchen gerettet.“

- Von Nachtwächter i. R. August Künne, Twieflingen und Fritz Schrader, Twieflingen

Auch aus weitaus älterer Zeit sind Sagen überliefert, in diesem Falle sogar eine Schauergeschichte.

„Täglich um Mitternacht geht ein Burgfräulein von der Elmsburg nach dem in der Nähe liegenden großen Steinblock. Es trägt ein großes Schlüsselbund und schlägt damit nach jedem, der sich ihm zu nahen versucht. Die Körperstelle des Angreifers, die getroffen ist, erlahmt. Das Burgfräulein verschwindet bei dem Steinblock, unter dem ein goldener Hirsch liegen soll.“

Von Karl Rose und Lisbeth Grabenhorst, Schöningen

schoeningen_elmsburg_siegelZur Geschichte der Elmsburg lässt sich berichten, dass die Kirche innerhalb der Feste vom römisch-deutschen Kaiser Otto IV. dem Stift Scheverlingenburg von Walle überschrieben wurde. Da dieser nicht lange Bestand hatte, wurde sie bereits fünf Jahre später dem Stift St. Blasius in Braunschweig zugeschrieben. Dem Deutschritterorden wurde die gesamte Burganlage von Pfalzgraf Heinrich 1221 übertrugen. Dieser richtete hier eine Komturei ein, so bezeichnete man die geistlichen Niederlassungen des Deutschritterordens. Im Jahre 1240 erweiterte Herzog Otto die Anlage um Grund und Boden. Die Bedeutung der Elmsburg als Komturei wuchs an. Ironischerweise bedeutete dies auch ihr Ende. Aufgrund der räumlichen Enge wurde der geistliche Sitz des Deutschritterordens 1264 nach Lucklum verlegt. Bis 1318 verblieb noch eine kleine Komturei in der Elmsburg, dies belegt ein Siegel aus diesem Jahre, dass die Inschrift „s.commenture de Elmesbors“ trägt. Letztmalig wurde die Elmburg 1364 als Ordensburg erwähnt. Danach wechselten die Besitzer. Die Adelsfamilie von Ampleben bewohnte sie, später wurde die Burg auch an bürgerliche Familien entlehnt, so z.B. von 1433 bis 1469 an die Familie Hudt aus Schöningen.

Der Verfall der Elmburg setzte nach einem Großbrand 1567 ein. Ein Wiederaufbau war wohl nicht zu finanzieren, so dass die Anlage aufgegeben wurde. Die Gemäuer wurden abgerissen und die Steine zur Ausbesserung von Forstwegen und dem Gebäudebau im nahen Dorfe Twieflingen genutzt. Dennoch sollen bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts die Mauern der Elmsburg klar erkennbar gewesen sein.

Heutzutage können die Überreste der Elmsburg zu Fuß über einen angelegten Wanderweg erreicht werden.

Text-Quellen:

Krüger, Fritz J.: Braunschweiger Land (Wanderungen in die Erdgeschichte 19), München 2006. S. 82f
http://www.braunschweig-touren.de/Seiten/Elmsburg2.htm (zuletzt abgefragt am 09. April 2013)
http://burgrekonstruktion.de/main.php?g2_itemId=474 (zuletzt abgefragt am 09. April 2013)
http://de.wikipedia.org/wiki/Elmsburg (zuletzt abgefragt am 09. April 2013)
http://www.zeitwanderer.de/mythos_und_logos/regionalgeschichte/2007/pages/02.html (zuletzt abgefragt am 09. April 2013)
http://www.elmsagen.de/ (zuletzt abgefragt am 09. April 2013)

Foto-Quellen:
Fotoarchiv Axel Hindemith


Markus Haage
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2011 gründete ich diese Seite, um nicht nur Schöningern eine Plattform zu geben, ihre Geschichten aus unserer Stadt zu erzählen, sondern auch um Außenstehende auf die Stadt der Speere aufmerksam zu machen. Wenn ich nicht gerade an Mein-Schoeningen.de werke, arbeite ich theoretisch als auch praktisch im Filmbereich. Der professionelle Bierausschank liegt mir übrigens auch sehr gut - was allerdings fast schon familiär bedingt ist. Komme ich doch aus einer (sehr) alten Gastwirtsfamilie, deren Wurzeln bis weit in das 18.Jahrhundert zurückgehen...
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  • Harry Howorka

    Danke für den Bericht,Markus.Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen,um einiges wieder ins Gedächtnis zu rufen.Habe aber auch viel Neues erfahren. Diese unterirdischen Gänge faszinieren mich.Ich denke,ich habe vor langer Zeit von Herrn Rose dazu etwas gelesen.