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Alversdorf – Ein Dorf stirbt

Veröffentlicht am Sonntag, 23. Juni 2013
Verfasst von Annika Hecht, Eva-Maria Wallbaum, Kristin Kramer 


schoeningen_alversdorf1In unserer Umgebung haben fast alle schon einmal den Ortsnamen Alversdorf gehört. Viele wissen, dass dieses Dorf in den 1970er Jahren der Kohle weichen musste. Wie genau es jedoch dazu kam und welche Geschichte dieser kleine Ort hatte, ist in unserer Generation den Wenigsten bewusst.

Wenn wir in der Schule das Thema Alversdorf ansprachen, kam von vielen nur der Kommentar „Alversdorf? Wo lag das überhaupt?“ Dabei standen etliche unserer Vorfahren im direkten Kontakt zu diesem Dorf. So haben viele unserer Eltern in Alversdorf das Schwimmen erlernt oder in den Braunschweigischen Kohlenbergwerken ihren Lebensunterhalt verdient. Einige haben sogar Großeltern, die in Alversdorf geboren und aufgewachsen sind.

Der folgende Artikel beinhaltet das Ende des Dorfes Alversdorf, quasi dessen „bürokratische Abwicklung“, und stellt eine Zusammenfassung einer Facharbeit von Annika Hecht, Eva-Maria Wallbaum und Kristin Kramer aus dem Jahre 2013 dar. Die Zusammenfassung wurde von Markus Haage vorgenommen.

Die Entstehung der Dörfer und Städte in unserer Region, in denen wir heute leben und arbeiten, liegt meist schon über 1000 Jahre zurück. Die erste urkundliche Erwähnung von Alversdorf war 983 n. Chr. unter dem Namen „Adalgerasthorpa“. Dass der Name sich mit dem Wandel der Zeit immer wieder veränderte, ist keine Besonderheit. Besonders im frühen Mittelalter waren die Ortsnamen aufgrund der verschiedenen sprachlichen Strömungen einer ständigen Veränderung unterworfen. Die Endung „-thorp(a)“ stammt aus dem Althochdeutschen und lässt sich mit der heutigen Bezeichnung „-dorf“ übersetzen.

schoeningen_alversdorf2Die schon im Vorwort aufgeworfene Frage „Wo lag Alversdorf überhaupt?“ soll nicht unbeantwortet bleiben. Der Ort lag im Südosten des Landkreises Helmstedt. Die Gemarkung grenzte im Süden an die Landesgrenze zum Landkreis Oschersleben und damit im Verlauf der Geschichte auch an die ehemalige Deutsche Demokratische Republik. Die nächstgelegenen umliegenden Gemeinden waren im Norden Neu-Büddenstedt, im Osten Reinsdorf und Offleben, im Süden Hötensleben und im Westen Schöningen und Esbeck.

Hätte man den Bauern in Alversdorf Anfang des 19. Jahrhunderts erzählt, dass sie etwa 100 Jahre später elektrisches Licht haben werden, weil in ihrer Umgebung Kohle abgebaut und weiterverarbeitet wird, hätte dies wohl keiner geglaubt. Auch, dass einmal eine andere Branche als die Landwirtschaft führend sein könnte, hätte zu diesem Zeitpunkt niemand in Betracht gezogen. Erst die Umstellung auf die moderne Großraumförderung, dem Tagebauverfahren, und dem Aufschluss eines zweiten Tagebaus bei Offleben (Tagebau Treue) im Jahr 1880 änderten dies. Die BKB wurde zum größten Arbeitgeber in unserer ehemals landwirtschaftlich geprägten Region, da die Tagebauförderung eine weitaus größere Anzahl an Arbeitskräften benötigte. Für Walter Hecht, der 1936 in Alversdorf geboren wurde, war dies bereits jedoch ganz normal. Sein Vater arbeitete als Lokführer, er selbst wurde Schlosser in der Brikettfabrik. Alversdorf als reines Bauerndorf wird für ihn wahrscheinlich kaum vorstellbar gewesen sein. Zwar gab es da auch noch einige Landwirte, doch nach und nach wurden deren Höfe von den BKB aufgekauft. Somit war fast das ganze Dorf vom Kohleabbau abhängig. Selbst die Großeltern Walter Hechts arbeiteten für die BKB – in der Landwirtschaft auf dem Gut „Treue“.

Der Ausbau des Tagebaubetriebes sorgte jedoch dafür, dass sich die Landschaft wandelte und bald nicht nur die Infrastruktur oder der Verlauf der Flüsse und Bäche, wie u.a. der Flussverlauf der Mißaue, verändert wurden, sondern auch ganze Dörfer der Kohle weichen mussten. Im Idealfall wurden sie an anderer Stelle neu errichtet. Auch Alversdorf teilte das Schicksal des Abrisses, dies stand bereits seit den 1920er Jahren fest. Seit der Jahrhundertwende hat die BKB Landstücke der Gemeinde Alversdorf erworben, um dort den Tagebau Treue I, II und III, sowie die Brikettfabrik Treue zu errichten. 1911 wurde der Tagebau Treue III nördlich von Alversdorf aufgeschlossen. Der Aufschluss des Tagebau Alversdorf 1962 hatte das Ziel, den Rückgang der Kohleförderung im Tagebau Treue auszugleichen. Der Abbau in diesem Gebiet bedeutete einen erheblichen Eingriff in die Infrastruktur des Reviers, da die Brikettfabriken Treue, das Betriebskraftwerk Treue und das Dorf Alversdorf im Abbaugebiet lagen. Gründe für den Abbruch Alversdorf äußerte Direktor von Unruh, BKB, am 15. August 1970:

„Die Gründe für den Abbruch Alversdorf liegen in der Situation unseres hiesigen Braunkohlenreviers. Unser Braunkohlenbergbau ist nach wie vor ein mitbestimmender Faktor im Helmstedter Wirtschaftsraum. Seit Bestehen des hiesigen Bergbaus sind von den ursprünglich vorhanden gewesenen 466 Mio. t Kohle allein innerhalb der hangenden Flözgruppe – d. i. die Tagebaukohle – 300 Mio. t Kohle gefördert worden. Durch die Schließung der Zonengrenzen haben wir hier 64 Mio. t Kohle verloren.5 Unter Abzug der Sicherheitspfeiler sind noch rund 80 Mio. t Kohle zur Zeit gewinnbar.“

Die BKB hatten viele Höfe bereits früh gekauft und sie bis zur Erschließung des Tagebaus auf den dazugehörigen Landstücken selbst bewirtschaftet. Ende 1963 gab es keine eigenständigen Höfe mehr. Die ursprünglichen Besitzer bauten sich anderswo einen neuen Betrieb auf oder kehrten der Landwirtschaft endgültig den Rücken. Als Beispiel erzählte uns Herr Hecht von Bauer Baake, der nach Kneitlingen zog, um dort die Landwirtschaft wieder aufzunehmen und von Bauer Matthies, der sein Unternehmen aufgab. Somit bekamen die Alversdorfer Bauern den Wandel der Zeit besonders deutlich zu spüren. Ob die Alversdorfer diesen Wandel als positiv oder negativ ansahen, lässt sich pauschal nicht sagen. „Das war alles gar nicht so schlimm“, ist die Meinung Walter Hechts dazu.

schoeningen_alversdorf5„Alversdorf, ein sterbendes Dorf“, so lautete die Überschrift in einer Schöninger Zeitung von 1929. Doch diese Schlagzeile war schon fast keine Neuigkeit mehr, denn das Alversdorf der Kohle weichen musste, war den Bewohnern schon Anfang der 1920er Jahre bewusst. Aus diesem Grund galt seit 1943/44 das verordnete Bauverbot für die Alversdorfer, sodass ab diesem Jahr kein einziges Wohnhaus, mit Ausnahme des Ausbaus des Barackenlagers, mehr in der Gemeinde gebaut wurde.

Alle Bewohner, die sich ab dem 01. Januar 1958 polizeilich gemeldet hatten, sowie eine eigene Herdstelle besaßen, waren umsiedlungsberechtigt. Die BKB erstattete die Kosten bei einem Umzug im Radius von zehn Kilometern und bei einem größeren Radius beteiligte sie sich angemessen. In den Jahren zwischen 1960 und 1964 zogen 346 Alversdorfer um, darunter auch Walter Hecht und dessen Frau, die in Esbeck eine neue Heimat fanden. Ihnen wurde die Hälfte der Umzugskosten zurückgezahlt und sie erhielten ein sogenanntes „Gardinengeld“ von 60 DM pro Person beziehungsweise pro Zimmer. Als „Gardinengeld“ wurde die in Höhe von 900 DM pro Haushalt ausgezahlten Summe an Umzugshilfe von der BKB bezeichnet. Im Jahr 1962 wurde der Tagebau Alversdorf offiziell aufgeschlossen.

Ende 1963 endeten die Verhandlungen über die Aufteilung der Alversdorfer Gemarkung. Sie wurde an die Stadt Schöningen, Gemeinde Neu Büddenstedt, Gemeinde Offleben und an die Gemeinde Reinsdorf verteilt. Es galt 544ha Land zu verteilen, wobei Schöningen 336ha erhielt, Neu Büddenstedt 148ha, Offleben 13ha und Reinsdorf 46ha. Das Dorf Esbeck wurde hierbei nicht berücksichtigt, da zu diesem Zeitpunkt die später entstandene hohe Umsiedlungsrate dorthin noch nicht vorauszusehen war. Als Entschädigung zahlte die Gemeinde Alversdorf 400.000 DM für die Esbecker Gemeinde, ebenso wie für die gebauten neuen Wohnblöcke und das noch unbebaute Land von ca. 55.000 Quadratmetern. Sie übernahm auch die Kosten von rund 5000 DM für den Ausbau eines Kinderspielplatzes.

Die Ausgaben des außerordentlichen Haushaltes der Alversdorfer Gemeinde betrugen 1964 1.667.361 DM für Bauvorhaben in Esbeck. Sie bezahlte bspw. für den weiteren Bau von Garagen, für die Sanierung der einzelnen Straßenabschnitte und sie beteiligte sich an den Kosten der Kläranlage. Außerdem gab sie 150.000 DM für die Volksschule Esbeck aus und mehr als eine halbe Million für die neuerbauten Grundstücke an der Schöninger Elmstraße und der Alversdorfer Siedlung in Esbeck. Bei den Gemeinderatswahlen waren nur noch 800 Einwohner im Ort anwesend, sodass statt den üblichen elf Ratsherren nur neun gewählt werden mussten. Ab September begann die Räumung des Barackenlagers in deren Verlauf die letzten fünf der dort wohnenden Familien auszogen.

Der geplante Wiederaufbau Alversdorfs als Neu-Alversdorf erwies sich als nicht realisierbar. Das Dorf sollte ursprünglich bei den Barnebergern Sandsteinbrücken zwischen Büddenstedt und Offleben neu errichtet werden. Das hierfür vorgesehene Gelände in der Nähe des Bahnhofes wurde für dieses Vorhaben extra urbar (d.h. durch Rodung wurde es für die landwirtschaftliche Nutzung wiederaufgearbeitet) gemacht. Genau wie unser Interviewter, Walter Hecht, wären wahrscheinlich viele gerne nach Neu-Alversdorf gezogen, um die bis dahin entstandene Dorfgemeinschaft zu bewahren.

schoeningen_alversdorf6Nicht nur die Lebenden, sondern auch die Toten mussten Alversdorf verlassen (linkes Bild: umgebettetes Alversdorfer Kriegsdenkmal auf dem Esbecker Freidhof). Bereits Ende Januar 1964 wurde der Friedhof geschlossen und die BKB übernahm die Überführungskosten der Verstorbenen ab dem darauffolgenden Monat. Außerdem hatte die Gemeindeverwaltung die Angehörigen aufgefordert, ihnen bis zum 31. Juli 1970 mitzuteilen, zu welchem Friedhof die Leichen umgebettet werden sollen. Die verbliebenen Toten, von denen sich kein Angehöriger bis zum vorgeschriebenen Zeitpunkt gemeldet oder seinen Wunsch geäußert hatte, wurden zum Esbecker Friedhof umgebettet. Insgesamt wurden dorthin 358 Grabstätten verlegt, 82 Grabstätten nach Schöningen und die restlichen 30 Grabstätten wurden in der Umgebung verteilt.

Im November 1965 unterzeichneten die Gemeinde Alversdorf und die BKB nach zahlreichen Verhandlungen den entstandenen Umsiedlungsvertrag. Mit ihm verpflichtete sich die Gemeinde die bisherigen Realsteuerhebesätze14 weiter zu bezahlen, obwohl die ihnen zugeteilten Aufgaben verringert waren, um mithilfe der Gewerbesteueraufkommen die BKB bei der Finanzierung der notwendigen Ersatzwohnungen zu unterstützen. Des Weiteren übernahm die BKB die Umsiedlungskosten der Einwohner, wie z.B. das bereits angesprochene Gardinengeld.

Die Ausgaben der Gemeinde Alversdorf seit dem Umsiedlungsbeginn betrugen im August 1965 4,8 Millionen DM.

Die Einstellung des Schulbetriebes erfolgte am 31. Juli 1968. In der Schule wurden seit dem 31. Dezember 1963 nur noch die ersten vier Jahrgänge unterrichtet. Die beiden Lehrkräfte Rektor Ernst Kampe und Karl Saueressig unterwiesen etwa 60 schulpflichtige Kinder. Das Gebäude diente nach der Schließung als Unterkunft für den Kindergarten und der Gemeindebücherei. Obwohl die Kinder nun in anderen Dörfern die Schule besuchten, zahlte die Gemeinde Alversdorf weiterhin die Kosten der Lehrmittel und der anstehenden Fahrten. Des Weiteren fand in diesem Jahr das 1. BKB-Ferienlager für die Kinder der BKB-Familien statt.

Am 18. August 1968 wurde eine Sitzung des Rates einberufen, um über den Verbleib der verschiedenen sportlichen Einrichtungen zu entscheiden, da die Sportplatzanlage bereits aufgelöst wurde. Dabei wurde beschlossen, dass der TC Schöningen die Waschanlage kostenlos übernehmen durfte, der SV Wolsdorf die Holzbaracke und die Umrandung des Sportplatzes und die Gemeinde Esbeck erhielt gegen Bezahlung die neuwertigen Sportgeräte.

Bei einer Umfrage der Gemeindeverwaltung am 21. März 1969 wurden die restlichen umsiedlungsberechtigten Einwohner ermittelt. Ihre Zahl beschränkte sich auf 111 Haushalte mit 326 Bewohnern von insgesamt 164 verbliebenen Haushalten mit 513 Bewohnern.

Im Jahr 1970 wurde der Ausschuss „Ehemaliges Alversdorf“ gegründet, um die Betreuung der Umgesiedelten zu übernehmen. Er bestand aus zwei Ratsherren der Stadt Schöningen und aus drei Ratsmitgliedern der Gemeinde Alversdorf. Im Vertrag wurde allerdings verankert, dass er bereits fünf Jahre nach seinem Inkrafttreten aufgelöst werden sollte. Zu seinen Aufgaben gehörten die Überwachung der Einhaltungen der geschlossenen Verträge, die Wahrnehmung der Interessen der Alversdorfer Einwohner, das Abschließen des zweiten Nachtrages des Heimatbuches, die Betreuung des Heimatmuseums, insbesondere des Alversdorf-Zimmers, in dem Bilder, Bücher, Abhandlungen und weitere Erinnerungsstücke ausgestellt sind und das Durchführen von Erinnerungstreffen, die heutzutage als „Alversdorf-Treffen“ bezeichnet werden. Damit die gestellten Anforderungen auch umgesetzt werden konnten, erhielt der Ausschuss 20.000 DM. Später wurde das Kapital auf 25.000 DM erhöht. Am 5. Dezember 1970 fand eine Abschiedsfeier bezüglich der baldigen Auflösung Alversdorfs in der Aufbauhalle statt. In deren Verlauf ehrten die Vertreter der BKB und des öffentlichen Lebens, sowie die beiden Gesangsvereine „Harmonie“ und „Liedertafel“. Der damalige Landrat Rolf Nolting betrachtete den Tag als ein historisches Ereignis für den Landkreis Helmstedt.

Walter Hecht beschrieb die Situation des Abschieds in dem geführten Interview mit den Worten: „Die Dorfgemeinschaft wurde auseinander gerissen.“

schoeningen_alversdorf4Als die Bagger im Jahr 1971 Alversdorf erreichten, begannen die letzten Jahre für den noch bestehenden Ort. Es existierten noch 42 Grundstücke, die auf den Abriss warteten. Auf denen, die bereits dem Bagger zum „Opfer“ fielen, zierten Blumen und andere Pflanzen die Umgebung, um dem Dorf einen freundlichen Eindruck zu verleihen. Der letzte gemeinschaftliche Akt des Ortes war den Aufzeichnungen nach die Abschlusssitzung des Gemeinderates Alversdorf. Diese fand am 26. März 1971 statt und war für alle Bewohner zugänglich. Es wurden allerdings keine Beschlüsse mehr gefasst.

Am 31. März endete der aktive Dienst der Freiwilligen Feuerwehr. Die Stadt Schöningen wurde als Rechtsnachfolgerin genannt, um in den letzten Jahren die Feuerschutzmaßnahmen zu übernehmen.

Auch wurden die Alversdorfer Einwohner somit zu Schöninger Einwohner. Laut Gesetz war die offizielle Auflösung Alversdorfs am 01. April 1971. Somit endeten auch die Tätigkeiten des amtierenden Bürgermeisters Otto Schulz, der seit 1962 diese Position innehatte.25 An diesem Tag existierten noch 96 Haushalte mit 324 Einwohnern in Alversdorf. Insgesamt bezahlte die Gemeinde Alversdorf 4.439.267 DM an die Gemeinde Esbeck. Davon wurden 1.665.107 DM für den Bau von Grundstücken ausgegeben, 47.200 DM für das unbebaute Bauland und die restlichen 2.448.000 DM waren übernommene Folgelastenzahlungen. Es wurden bis zu 49 Wohnungen in Esbeck und 104 Wohnungen in Schöningen bis zum Jahr 1971 fertiggestellt.

Bis zum 10. Mai 1971 blieben noch die Bediensteten der Gemeindeverwaltung, um den Auflösungsarbeiten innerhalb der Verwaltung der Feuerwehr, Wäscherei etc. nachzugehen. Danach verließen auch sie das sterbende Dorf und es wurde sofort mit dem Großabbruch begonnen.

Bereits vor dem Jahr 1972 fanden die Verhandlungen über den Verbleib des Eigentums der Kirche statt. In diesen wurde beschlossen, dass die Kirchenglocken, welche 1950 gegossen worden waren, an die Clus-Kirche in Schöningen überreicht werden sollen (Die Glocken läuteten dort das erste Mal am 18. März 1973) und dass die Orgel fachgerecht abgebaut wird, um dann wieder in der Kirche in Offleben aufgebaut werden zu können. Der letzte Gottesdienst wurde am 11. Juni 1972 gehalten. Im Jahr 1973 erfolgte die Schließung des beliebten Hallenschwimmbades. Seit dessen Eröffnung besuchten einige Millionen Menschen das Schwimmbad. Die Benutzung war stets kostenlos, da es mit der entstandenen Wärme des Kohlekraftwerks der BKB beheizt wurde und somit diese Kosten überflüssig machte. Zudem galt der freie Eintritt als Entschädigung für die entstandenen Luftverschmutzungen und deren Auswirkungen auf das alltägliche Leben.

„Wenn unsere Mutter sonntags geguckt hat und der Schwelwerkdreck kam rüber und der Brikettfabrikdreck kam rüber, dann haben wir kein weißes Hemd angezogen, weil wir dann gleich dreckig waren“
- Walter Hecht

Mit dem Abriss des letzten stehenden Gebäudes am 06. Februar 1974 endete die Dorfgeschichte. 1991 war der Tagebau Alversdorf ausgekohlt. Seine Fläche betrug etwa 2,5 km².

Als wir Anfang Februar das ehemalige Alversdorf aufsuchten, um uns vor Ort ein Bild über die Überreste zu machen, fanden wir nur einen weitläufigen, verschneiten Hügel vor. Vom Dorf selbst steht nur noch eine Feldscheune, die heute Teil der Kompostieranlage „TerraKomp“ ist.

Von Alversdorf bleiben nun nur noch Erinnerungen an die erlebte Zeit.

Text-Quellen:
Andree, Richard: Braunschweiger Volkskunde. Nachdruck, Harro v. Hirschheydt, Hannover-Döhren 1979.
Allewelt, Werner: Erbregister des Amtes Schöningen von 1570. 1. Auflage, Verlag August Lax, Hildesheim 1987.
Andree, Richard: Braunschweiger Volkskunde. Nachdruck, Harro v. Hirschheydt, Hannover-Döhren 1979.
Pohlendt, Heinz: Der Landkreis Helmstedt. In: Brüning, Karl (Hrsg.): Die Landkreise in Niedersachsen, Bd. 15. 1. Auflage, Walter Dorn Verlag, Bremen-Horn 1957.
Rose, Karl: Heimatbuch des Dorfes Alversdorf. 1. Auflage, Gemeinde Alversdorf (Hrsg.), Alversdorf 1951.
Rose, Karl: Heimatbuch des Dorfes Alversdorf 1951 – 1963. 1. Nachtrag. 1. Auflage, Gemeinde Alversdorf (Hrsg.), Alversdorf 1964.
Festschrift zum Treffen ehemaliger Alversdorfer Einwohner am 16./17. August 1975. 1. Auflage, Hans Günther KG (Hrsg.), Helmstedt 1975.
Vogt, Werner; Dreifke-Pieper, Andrea: Die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG. Industriegeschichte des Helmstedter Reviers. 1. Auflage, Econ-Verlag, München 1999.
http://www.kraftwerk-buschhaus.de (zuletzt abgerufen am 20.Juni 2013)
Foto-Quellen:
Fotoarchiv Christiane Willeke-Sonnenbrodt
Fotoarchiv Markus Haage
Fotoarchiv Joachim Thiele


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  • Sophie

    Ein sehr schöner Artikel über unser ehemaliges Nachbardorf. Besonders die Chronologie aller wichtigen Ereignisse des Ortes von Anfang bis zu seinem Ende finde ich sehr authentisch dargestellt und auch die ausdrucksstarken Fotos dazu haben mir sehr gut gefallen. Ein großes Lob an die Autoren!

  • Marcus

    Tolle Seite. Weiter so.

    Suche alles über den Familiennamen Kruschel aus Alversdorf.
    Wer Informationen hat, bitte eine Mail an mich.

  • Uli

    Hallo,
    Eine schöne Seite über Alversdorf. Ich bin vom Dorf kommend in Helmstedt ins Julianum gegangen, damals ein Jungengymnasium. Im Alversdorfer Hallenbad, weit und breit wohl das einzige Hallenbad, habe ich schwimmen gelernt und meine bis heute anhaltende Begeisterung fürs Schwimmen nahm seinen Anfang. Schon damals in meiner Zeit auf dem Julianum, 1966 – 1968 ( danach sind wir weggezogen) war es immer irgendwie trist und traurig in Alversdorf. Der Artikel hat mir die Erklärung gegeben. Danke.
    Uli

  • Hannelore Böttcher

    An Alversdorf erinnere ich mich wenig, das Hallenbad war das einzige weit und breit Wir fuhren von Schöningen aus ab und zu dorthin.. Eine Schulfreundin wohnte dort, und es ist sehr traurig, wenn man bedenkt, daß ein Dorf nicht mehr da ist. Was das für die Menschen bedeutet, alle Erinnerungsorte sind verschwunden, nur noch Fotos gibt es.

  • Martin M.

    Schöner Bericht. Ich hatte einige Klassenkameraden aus Alversdorf und erinnere mich auch gut an das schöne Hallenbad. Ich meine da waren auch Aquarien in den Wänden eingearbeitet. Man gelangte in das Schwimmbad über eine Brücke, deren Holzplanken ich noch vor mir sehe. Das Schwelwerk war da irgendwo nebenan, ich wußte nie was da eigentlich hergestellt wurde, war mir als Kind auch egal. Die Zufahrt erfolgte über die heutige L 640 ein paar Meter hinter dem Kreisel. Nach fast 50 Jahren sind das ziemlich verschwommene, aber sehr schöne Kindheitserinnerungen …Danke dafür!
    Viele Grüße
    Martin

  • Ulrich Ochsendorf

    Sehr viel über Alversdorf zu lesen . Vergessen sollte man aber nicht die letzten Kinder aus Alversdorf. Ich wurde 1972 noch durch Pastor Haferburg in Büddenstedt konfirmiert. Wir wurden Donnerstags immer von unserem Pastor nach Büddenstedt zum Konferunterricht gefahren und dort auch noch als letzte Alversdorfer konfirmiert. In diesem Jahr zogen wir dann auch erst aus unserem mehr und mehr abgerissenen Heimatdorf weg . Die Erlebnisse bis zum Wegzug sind sicherlich heute nicht mehr nachzuvollziehen. Die verlassenen und kurz vor Abriss noch zu untersuchenden Häuser waren als Kind erlebnisreiche Ereignisse. Zurück gelassene Fahrräder und vieles mehr verlockte immer zum Ausprobieren. Der Tagebaurand rückte immer näher, aber Baden und das um sonst , war für uns bis zum Schluss möglich. Danke für diese schöne Kindheit in diesem Dorf. Ulrich Ochsendorf