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Briefe aus der Vergangenheit – 25.10.1762: Gesuch an die St.Vincenz-Kirche

Veröffentlicht am Sonntag, 6. Oktober 2013
Verfasst von Markus Haage 


In dieser neuen Rubrik werfen wir einen weiteren Blick auf Schöningens Vergangenheit und berichten über Postdokumente längst vergangener Tage. Ob Amtsbriefe, Gesuche, Feldpost oder private Korrespondenz, jedes dieser Dokumente wird ein kleines Fenster in das längst vergangene alltägliche Leben Schöningens öffnen und die Vergangenheit damit hoffentlich zugänglicher und verständlicher machen. Die Postdokumente werden hochauflösend digitalisiert und nach eingehender Analyse dem Schöninger Stadtarchiv zur Archivierung zur Verfügung gestellt. Beginnen werden wir mit einem Gesuch an die St. Vincenz-Kirche aus dem Jahre 1762.

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Der Brief ist auf den 25.10.1762 datiert und in Schöningen verfasst wurden. Er war an August (= Gesenius) Magni gerichtet, damals Superintendant an der St.Vincenz-Kirche, der von 1718 bis zu seinem Tode 1773 in Schöningen lebte. Verfasst wurde der Brief von AJC Deichmann, zur damaligen Zeit Organist in der St. Vincenz-Kirche. Aufgrund seines hohen Alters und der damit eintretenden körperlichen Erschwächung, bat er August Magni darum seinen Sohn August Wilhelm zur Unterstützung einstellen zu dürfen, der ihm wohl bei Zeiten gänzlich ersetzen sollte. Ob dieses Gesuch Erfolg hatte, konnte (noch) nicht ermittelt werden.

Der Brief wurde auf Stempelpapier mit Wasserzeichen verfasst. Die aufgedruckten Stempel zeigen eine Wertmarke (Löwe im Kreis) von 4 Pfennig und das hoheitliche Zeichen der damaligen Post ( C mit Krone, steht für Herzog Carl I.).

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Im Folgenden nun eine wortgenaue Abschrift. Erklärungen finden sich im Anhang.

AN:
Dem Hochwürdigen in Gott Andächtigen und Hochgelehrten Herrn Gesenius
Hochfürstl.-Braunschw.-Lüneburgischen Herrn General-Superintendenti
meines Höchstgeehrtetsten Herrn gehorsamst

 

INHALT:
Hochwürdiger und Hochgelehrter Herr,
Höchstgeehrter Herr Generel-Superintendens!

Euer Hochwürden erlauben mir hochgeneigtest, Denenselben hierdurch vorstellen zu dürfen, wie ich schon über 17 Jahre den Organisten Dienst bey hiesiger Kirche St. Vincentii versehen habe, um mehro aber mit anwachsenden Alter eine solche Schwäche und Abnahme meiner Kräfte zu verspüren beginne, dass ich Ursache habe, mir eine Erleichterung und sichere Hülffe in Ansetzung dieses Posten zu wünschen.

In dieser Absicht ist es auch geschehen, dass meinen jüngsten Sohn, nahmens August Wilhelm der Musique, mit Verwendung vieler Kosten, gewidmet, und dass derselbe sich die erforderliche Ehrlichkeit erworben und gehörig dazu aplliciert1 habe, davon hat er schon öffentliche Proben und Beweise abgelegt, indem er schon seit Jahr und Tag bey Aufführung der Kirchen Musiquen auch sonst mir beständig assistiret, so dass mir daher die begründete Hoffnung machen darff, er werde zur allgemeinen fernere approbation2 darunter praestanda praestiren3.

Wie aber derselbe wegen seiner mir geleisteten und nach Gottes Willen ferner zu leistenden Hülffe und guten apllication4, zu seiner dereinstigen Belohnung, mein successor in hoc officio5 demnächst zu werden hoffet, diese Absicht auch, aus väterlicher Fürsorge für denselben, mit meinem eigenen Wünschen und Verlangen übereinstimmet; also haben Euer Hochwürden hierdurch gehorsamst bitten wollen, Dieselben geruhen in hochgeneigter Rücksicht vorangeführter Umstände zu adjungirung6 meines Sohnes cum spe succedendi7 ein beyfälliges Votum8 so auch von hiesigen Magistrat zu erhalten hoffen, mir gütigst zu ertheilen und mit einer beliebigen Versicherung mich deshalb geneigtest zu versehen.

Niemand wird dagegen die Empfindungen einer wahren Erkentlichkeit zeitlebens mehr zu beweisen und zu unterhalten suchen, als der mit vollenkommenster Hochschätzung beharret, als

Euer Hochwürden
meines höchgeehrtesten Herr General-Superintendenti
gantz gehorsamster Diener
ACJ Deichmann

Schöningen, der 25ten Octobr.
1762

Texterklärung:
1 aplliciert = angewendet
2 approbation = Genehmigung zur Ausübung einer Tätigkeit
3 praestanda praestiren = seine Schuldigkeit tun
4 apllication = nützliche Anwendung
5 successor in hoc officio = Nachfolger in diesem Amt
6 adjungirung = als Gehilfen bestellen
7 cum spe succedendi = mit der Hoffnung der Nachfolge
8 Votum = Urteil

Textquellen:
Rose, Karl; Stadt Schöningen (Hrsg.): Heimatbuch der Salzstadt Schöningen II.Teil, Braunschweig: Westermann, 1938, S. 72 – 77
Kaiser, Wilhelm. Die Stempelbogen des Herzogthums Braunschweig. Vereinigte Erdball Mercur 1885, Seite 4/5 und 8/9
Kaiser, Wilhelm. Die Stempelbogen des Herzogthums Braunschweig. Die Post 1907, Seite 34/37 und 50/51

Bildquellen:
Dokumentenarchiv Markus Haage


Markus Haage
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2011 gründete ich diese Seite, um nicht nur Schöningern eine Plattform zu geben, ihre Geschichten aus unserer Stadt zu erzählen, sondern auch um Außenstehende auf die Stadt der Speere aufmerksam zu machen. Wenn ich nicht gerade an Mein-Schoeningen.de werke, arbeite ich theoretisch als auch praktisch im Filmbereich. Der professionelle Bierausschank liegt mir übrigens auch sehr gut - was allerdings fast schon familiär bedingt ist. Komme ich doch aus einer (sehr) alten Gastwirtsfamilie, deren Wurzeln bis weit in das 18.Jahrhundert zurückgehen...
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  • Reinhard Kremmling

    Mal wieder ein echter Markus Haage! Danke für die tolle Aufarbeitung. Hoch interessant wie sich unserer Kommunikations-”Stil” verändert hat