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Die Geschichte vom Hallerkuchen auf dem Schlossdach

Veröffentlicht am Mittwoch, 7. März 2012
Verfasst von Nico Jäkel 


Oder: Wie das Hallerkuchenessen im Schloss entstand.

Es war einmal ein Schöninger Dachdecker, der sich in eine arme Bäckerin verliebt hatte. Auch sie war dem Dachdecker verfallen, doch Geld für eine Hochzeit hatten sie beide nicht. So lebten sie Tag ein, Tag aus, von dem bisschen Geld, was sie zur verfügung hatten und waren dennoch überglücklich miteinander.

Jeden Morgen besuchte der Dachdecker, bevor er zu seiner Arbeit ging, die Bäckerin in ihrer Backstube. Es war eine kleine Backstube mit einem alten Ofen, der schon seine Macken hatte. Und weil die Bäckerin nicht viel Geld hatte, konnte sie auch nur selten einmal das gute Mehl einkaufen; meist reichte es dann nur für das alte Mehl. Trotzdem gab sie, auch wenn sie eigentlich nichts zu verschenken hatte, ihrem Dachdecker jeden Morgen einen Laib Brot mit zur Arbeit. Nur in der Hallerkuchenzeit, die traditionell schon immer am 11. November begann und zum Aschermittwoch endet, da gab sie ihm jeden Morgen einen Hallerkuchen mit auf den Weg.

Der Dachdecker jedoch mochte ihren Hallerkuchen nicht. Der schlechte Ofen und das alte Mehl machten den Hallerkuchen dunkel gebacken und zu allem Überfluss wurde selbiger hart wie Stein, wenn der Dachdecker den Kuchen den halben Tag lang in der Tasche hatte. Doch der Dachdecker sagte seiner Bäckerin nichts, da er sie nicht kränken wollte. So nahm er Tag ein, Tag aus, den Hallerkuchen mit nach Haus. Dort versteckte er ihn auf dem Dachboden seiner kleinen Werkstatt, wo er auch die Ziegel für die Dächer lagerte.

Im zweiten Jahr in dem sie sich kannten, hatte der Dachdecker schon viele Dutzend Hallerkuchen auf dem Dachboden gesammelt. Sie lagen dort und waren nicht schlecht, aber noch viel härter geworden – genau wie ein Dachziegel. Dann einen Tag mitten im Winter begann es zu stürmen. Eine gute Zeit für den Dachdecker, denn der Sturm beschädigte einige Dächer und er hatte viel zu Arbeiten und brachte ein wenig Geld nach haus. Alle Ziegel hatte er so verbraucht und auch den anderen Dachdeckern der Stadt ging es nicht anders. Die Ziegel in Schöningen waren komplett verbraucht – an neue war nicht zu denken, denn die Erde in der Tonkuhle war so tief gefroren, dass an Ton zum Brennen von neuen Ziegeln nicht heranzukommen war.

Am Tag, an dem der Stum am schlimmsten würtete, flogen auch die Ziegel vom Schöninger Schloss herab – ausgerechnet die Ziegel, die über den Schlafgemächern der Herzogin Anna-Sophie saßen! Die Herzogin entsandte alsbald einen Boten zu allen Dachdeckern der Stadt, auf dass sie ihr so schnell wie möglich das Dach richten können. Doch der Bote kam nach Stunden zurück ohne einen Dachdecker gefunden zu haben. Alle hatten ihre letzten Ziegel längst aufgebraucht.

Als der Dachdecker am nächsten Morgen mit dem Hallrkuchen von seiner Bäckerin in der Tasche auf zur Arbeit schlenderte, kam er auch am Schöninger Schloss vorbei. Da sah er, dass die fehlenden Ziegel auf dem Dach immernoch nicht geflickt worden waren. Da kam ihm eine Idee: Wenn der Hallerkuchen auf dem Dachboden doch schon so lange hält und immer immer härter wird, dann wird er auch viele Jahre auf dem Dach der Herzogin halten!

Eilig marschierte er in seine Werkstatt und packte einen großen Sack voll Hallerkuchen, mit dem er sich in Richtung Schloss aufmachte. Die Wache am Tor fragte sodann, wo er denn mit dem Sack hinwolle. Er entgegnete, dass er darin Ziegel habe, um das Dach der Herzogin zu reparieren. Die Wache ließ den guten Dachdecker prompt passieren, auf dass er seiner Arbeit nachgehen könne.

Bepackt mit dem großen Sack auf den Schultern, stieg der Dachdecker dann zu der löchrigen Stelle im Dach hinauf, zog Hammer und Nägel aus der Hose und begann damit, den steinharten Hallerkuchen auf dem Dach der Herzogin festzunageln. Vier ganze Stunden war er hoch oben auf dem Dach bei eiseskälte zu Werke, denn gut acht dutzend Ziegel waren vom Sturm davongepustet worden – beinahe genausoviele, wie er mitlerweile Hallerkuchen gesammelt hatte. Als die Arbeit vollendet war, stieg er wieder vom Dach hinab. Unten erwartete ihn bereits die Herzogin Anna-Sophie.Diese war höchst erfreut, dass ihr Gemach wieder ein Dach darüber hatte und der Schnee nicht mehr hineinrieseln konnte. Die als gönnerhafte Herzogin bekannte Anna-Sophie zeigte sich auch über ihr eigenes Glück sehr spendabel. So fragte sie den Dachdecker, was er sich denn am meisten Wünsche. Dieser Antwortete, dass er sich nichts sehnlicher wünsche, als seine Bäckerin zu heiraten, ihnen aber das Geld dazu fehlte.

Diese Antwort berührte die Herzogin sehr. Sie versprach dem Dachdecker, die schönste Hochzeit für sie auszurichten, die sie sich vorstellen können. Der Dachdecker eilte daraufhin so schnell er konnte zu seiner Bäckerin, um ihr von dem großen Glück zu berichten. Diese war überglücklich und stand den Tränen nahe.

Die Herzogin hielt ihr Versprechen. Eine große Feier wurde veranstaltet und die Bäckerin bekam ein seidenes Brautkleid geschenkt. Hunderte Gäste wurden eingeladen in den Palas des Schöninger Schlosses und die Herzogin hatte eine wundervolle Hochzeitstorte, bestes Bier, reichlich Wurst, Schmalz und Käse sowie für jeden Gast einen frischen, bekömmlichen Hallerkuchen besorgen lassen. Es war die größte Hochzeitsfeier, die die Stadt bis dahin gesehen hatte und das Brautpaar war das wohl glücklichste der ganzen Welt an diesem Tag.

Bis dahin hatte der Dachdecker seiner Frau aber nichts von den Hallerkuchen auf dem Dach des Schlosses erzählt. Die Geschichte sparte er sich für den nächsten Morgen auf. Dann nämlich, nahm er das ganze Geld aus den Geschenken, die sie von den Gästen bekommen hatten und reichte es seiner Bäckerin, auf dass sie sich einen neuen Ofen für ihre Backstube kaufen könne und erzählte ihr dann, wie sie zu ihrem Glück gekommen waren.

Die Bäckerin lachte, wie sie nie zuvor in ihrem Leben gelacht hatte. Sie sagte ihm, das Geld sollten sie anders aufbrauchen. Der alte Ofen sei der beste, an dem sie je gearbeitet hatte, denn nur damit ließen sich die einzigartigen Schöninger Hallerziegel brennen, die sogar das Dach des herzöglichen Schlosses schmückten. Der Dachdecker musste nun mitlachen und sie lebten glücklich mit dem alten Backofen bis an ihr Lebensende.

Der Hallerkuchen auf dem Dach der Herzogin aber, der hielt noch viele viele Jahre länger. Und als das Dach einmal wieder repariert werden musste, entdeckte ein anderer Dachdecker den Kuchen zwischen den Ziegeln. Als er davon in der Stadt berichtete, musste jeder, der die Geschichte hörte, schmunzeln bis über beide Backen.

 

Und im Andenken an das Brautpaar von damals und den Ideenreichtum des Dachdeckers im besonderen, veranstaltete man im Palas zu ihren Ehren erneut eine Feier: Das Schöninger Hallerkuchenessen im Schloss. Mit kühlem Bier, reichlich Wurst, Schmalz und Käse sowie frisch gebackenem Hallerkuchen.

Nico Jäkel, 2009, aus “Gerichte, Gerüchte und Geschichten rund um den Elm” (unveröffentlicht)



Nico Jäkel
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  • Gerald_Plieth

    *_* echt oder Ente, dass ist hier die Frage. Als Geschichte finde ich die “Lovestory” gut gelungen.

  • Nina

    liest sich angenehm. Ein schöner Beitrag für diese vielfältige Seite..
    Gruss, Nina